Was die Dunkle Triade ist und wie sie mit den Big Five zusammenhängt
Paulhus und Williams führten den Begriff Dunkle Triade 2002 ein, um drei Konstrukte zu beschreiben, die zwar begrifflich verschieden sind, sich empirisch aber verlässlich überlappen: Narzissmus, Machiavellismus und subklinische Psychopathie (doi:10.1016/S0092-6566(02)00505-6). Die Dunkle Triade hat seither Hunderte von Studien in der Organisations-, Rechts- und Sozialpsychologie angestoßen.
„Subklinisch“ ist bei allen dreien ein wichtiger Zusatz. Die Dunkle Triade beschreibt Persönlichkeitsunterschiede in der Allgemeinbevölkerung, keine klinischen Störungen, die eine Diagnose verlangen. Wer hier hohe Werte erreicht, ist nicht zwangsläufig psychisch krank. Solche Menschen können sehr leistungsfähig und in manchen Umfeldern beruflich erfolgreich sein. Auch deshalb ist diese Forschung so wichtig.
Narzissmus bei der Arbeit: Merkmale, Verhalten, Warnsignale
Narzissmus meint im Rahmen der Dunklen Triade Großartigkeitsgefühl, Anspruchsdenken und die durchgehende Erwartung, besonders behandelt zu werden. Wer narzisstisch ist, hält sich für außergewöhnlich und die üblichen Regeln und Grenzen für eine Sache der anderen. Kritik trifft ihn empfindlich, und wenn man ihn herausfordert, reagiert er leicht feindselig oder rachsüchtig.
Narzissmus am Arbeitsplatz ist gründlich untersucht, und das Muster wiederholt sich. Narzissten wirken anfangs oft anziehend: charmant, selbstsicher, energiegeladen, bereit, sich zu verkaufen. In den ersten Monaten einer neuen Rolle sind sie meist gut, weil dort belohnt wird, welchen Eindruck jemand macht, und weil die Folgen ihres Umgangs mit anderen noch nicht aufgelaufen sind. Mit der Zeit richten das Anspruchsdenken, die Unfähigkeit, Rückmeldungen anzunehmen, und das Ausnutzen der eigenen Leute jenen Schaden an, den der anfängliche Charme verdeckt hatte.
Grijalva und Kollegen (2015) fanden, dass Narzissmus positiv damit zusammenhängt, dass jemand als Führungskraft in Erscheinung tritt, aber negativ mit der Wirksamkeit dieser Führung (doi:10.1111/peps.12072). Das passt zu der allgemeinen Vermengung von Extraversion und Sichtbarkeit, die die Führungsforschung immer wieder beschreibt. Wie Persönlichkeit die Wirksamkeit von Führung prägt, behandelt welche Persönlichkeitsmerkmale effektive Führungskräfte wirklich haben.
Machiavellismus bei der Arbeit: strategische Manipulation und ihr Preis
Machiavellismus zeigt sich in strategischer Manipulation, in Zynismus gegenüber der menschlichen Natur und in der Bereitschaft, andere als Mittel zum Zweck einzusetzen. Wer hier hohe Werte hat, handelt nicht impulsiv, sondern plant. Er versteht soziale Dynamiken gut genug, um sie auszunutzen. Er hält die meisten Menschen letztlich für eigennützig und richtet sein Verhalten danach aus.
Im Arbeitsalltag äußert sich das als politisches Manövrieren, als selektiver Umgang mit Informationen, die offengelegt werden, wenn es nützt, und zurückgehalten, wenn nicht, als zweckgerichtetes Schmieden von Allianzen und als Neigung, die Großzügigkeit anderer als ausnutzbare Naivität zu lesen. Wer stark machiavellistisch ist, versteht sich meist bestens darauf, nach oben zu glänzen und dabei die eigenen Kollegen zu untergraben.
Subklinische Psychopathie: wie sie sich im Arbeitsverhalten zeigt
Subklinische Psychopathie meint im Rahmen der Dunklen Triade Kälte, wenig Mitgefühl, Impulsivität und Risikofreude. Anders als die klinische Form geht sie nicht zwangsläufig mit Gewalt oder Straftaten einher. Sie geht einher mit einer geringeren Sorge um den Schaden, den man anderen zufügt, und mit einer höheren Bereitschaft, Risiken einzugehen, die andere Menschen treffen.
In Organisationen zeigt sich subklinische Psychopathie in Regelverstößen, überschrittenen Grenzen, missachteten Abläufen und in einem Muster abgebrochener Brücken, ohne dass die Folgen sichtbar Sorge bereiten würden. In Krisen können solche Menschen beeindrucken, weil dort mutiges, schnelles Handeln wirklich gebraucht wird und die sonst hinderliche Impulsivität vorübergehend hilft. In stabilen Umfeldern, die dauerhafte, sorgfältige Beziehungsarbeit verlangen, bricht das Muster zusammen. Wo sich diese Merkmale mit riskantem Verhalten im Job überschneiden, beschreibt Persönlichkeit und Risikobereitschaft: wer geht Risiken bei der Arbeit ein.
Wie sich die Dunkle Triade auf die Big-Five-Dimensionen abbilden lässt
Die Merkmale der Dunklen Triade stehen nicht neben den Big Five, sie korrelieren verlässlich mit den gewöhnlichen Persönlichkeitsdimensionen:
| Merkmal der Dunklen Triade | Big-Five-Korrelate | Typisches Verhalten im Job |
|---|---|---|
| Narzissmus | Niedrige Bindung (Verträglichkeit), hohe Präsenz (Extraversion) | Selbstvermarktung, Anspruchsdenken, Ausnutzen der eigenen Leute, Feindseligkeit gegenüber Feedback |
| Machiavellismus | Niedrige Bindung, in manchen Facetten niedrige Disziplin (Gewissenhaftigkeit) | Strategische Manipulation, selektiver Umgang mit Informationen, Allianzen zum eigenen Vorteil |
| Subklinische Psychopathie | Niedrige Bindung, niedrige Disziplin, niedrige Tiefe (Neurotizismus) | Regelverstöße, Impulsivität, überschrittene Grenzen, Gleichgültigkeit gegenüber den Folgen für andere |
Alle drei teilen niedrige Verträglichkeit (Bindung) als Korrelat, also jene Dimension, die für Kooperation und Vertrauen steht. Unterschiedlich ist das jeweilige Muster der übrigen Big-Five-Bezüge: Beim Narzissmus kommt hohe Extraversion hinzu, also soziale Dominanz und Charisma. Der Machiavellismus definiert sich stärker über strategisches Kalkül, teils über niedrige Gewissenhaftigkeit in den Facetten der Impulskontrolle, teils über den kognitiven Stil. Bei der Psychopathie kommt niedriger Neurotizismus hinzu, also emotionale Flachheit und das Fehlen von Schuld oder Angst.
Gerade dieser niedrige Neurotizismus ist unerwartet, aber wichtig. Psychopathie zeigt sich nicht in emotionaler Störung, sondern in emotionaler Abwesenheit. Wer hier hohe Werte erreicht, wirkt meist ruhig, lässt sich von den Folgen des eigenen Handelns nicht beunruhigen und ist gegen jene soziale Angst gefeit, die bei den meisten Menschen die schädlichsten Impulse bremst. Das ganze Bild zu Neurotizismus liefert was Neurotizismus bei der Arbeit bedeutet.
Warum sich die Dunkle Triade in Führungspositionen ballt
Ein durchgängiger Befund dieser Forschung ist, dass die Merkmale der Dunklen Triade in Machtpositionen überrepräsentiert sind. Babiak und Hare (2006) dokumentierten, dass Menschen mit psychopathischen Merkmalen in Führungsetagen von Unternehmen deutlich häufiger vorkommen, als es der Anteil in der Bevölkerung erwarten ließe.
Der Mechanismus dahinter liegt auf der Hand. Die Merkmale der Dunklen Triade verschaffen im Wettbewerb um den Aufstieg kurzfristig ganz bestimmte Vorteile:
- Narzissmus erzeugt einen selbstsicheren Auftritt und die Bereitschaft, Erfolge für sich zu reklamieren, was bei Beförderungsentscheidungen hilft.
- Machiavellismus erlaubt es, sich politisch geschickt zu bewegen: die richtigen Allianzen zu knüpfen, den eigenen Eindruck zu steuern und zu erkennen, was Entscheider hören wollen.
- Psychopathie dämpft das Zögern und die Risikoscheu, die andere im Wettbewerb ausbremsen.
Das Problem ist, dass diese Vorteile zeitlich weit vorne liegen. Dieselben Merkmale, die den Aufstieg tragen, beschädigen mit der Zeit systematisch Teams, Mitarbeitende und die Kultur einer Organisation. Besonders anfällig dafür, die Dunkle Triade regelrecht auszulesen, sind Beurteilungssysteme mit kurzen Beförderungszyklen, gerade weil sich die negativen Folgen nur langsam aufbauen. Wie Persönlichkeit den Führungsstil und dessen Wirkung prägt, behandelt Persönlichkeit und Führungsstile.
Wie Sie die Muster erkennen, bevor sie Schaden anrichten
Leicht zu erkennen sind diese Merkmale nicht, vor allem nicht bei leistungsfähigen Menschen, die gelernt haben, den eigenen Eindruck sorgfältig zu steuern. Einige verlässliche Hinweise:
Beim Narzissmus: dauerndes Reklamieren von Erfolgen, ohne die Beiträge anderer zu erwähnen; die Unfähigkeit, konstruktive Rückmeldung anzunehmen, ohne abwehrend oder rachsüchtig zu werden; doppelte Maßstäbe, also strenge Regeln für die anderen und Ausnahmen für sich selbst; großspurige Behauptungen, die auch dann bestehen bleiben, wenn die Belege dagegensprechen.
Beim Machiavellismus: eine Kluft zwischen erklärten und gelebten Werten; selektiver Umgang mit Informationen; Allianzen, die auf Macht statt auf gemeinsame Interessen zielen; starke Selbstdarstellung, die einstudiert wirkt; die Bereitschaft, Teammitglieder zu opfern, wenn es politisch passt.
Bei subklinischer Psychopathie: Regelverstöße, die als pragmatische Notwendigkeit ausgegeben werden; sichtbar fehlende Sorge um die Folgen für andere; die Suche nach Nervenkitzel oder Risiken, die andere ungefragt mittragen; abrupt abgebrochene Beziehungen in mehreren Lebensbereichen; Charme, der oberflächlich oder auswendig gelernt wirkt.
Hinweis aus der Forschung: Die Merkmale der Dunklen Triade schließen einander nicht aus. Paulhus und Williams (2002) zeigten, dass die drei häufiger gemeinsam auftreten, als der Zufall erwarten ließe. Eine Person kann auf allen dreien hoch liegen, was zusammen mit Sadismus mitunter als „Dunkle Tetrade“ bezeichnet wird. Besonders häufig treten sie gemeinsam bei Menschen auf, die beruflich durch Ausnutzung anderer erfolgreich waren, denn jedes Merkmal verstärkt und ermöglicht die anderen.
Was Organisationen tun können
Die ehrliche Antwort lautet: Die Forschung zur Dunklen Triade tröstet wenig. Es handelt sich um stabile Persönlichkeitsmerkmale, nicht um vorübergehende Zustände. Was bei der allgemeinen Persönlichkeitsentwicklung hilft, also Feedback, Coaching und Selbstreflexion, wirkt hier deutlich schwächer, auch weil diese Merkmale selbst die Offenheit für ehrliches Feedback und aufrichtige Selbstprüfung untergraben.
Praktisch lässt sich aus der Forschung dies ableiten:
Dokumentieren Sie Muster, keine Einzelfälle. Ein einzelner aggressiver Ausbruch oder ein einmalig für sich reklamierter Erfolg beweist nichts. Aussagekräftig und handhabbar wird erst ein Muster, das sich über Zeit und über verschiedene Zusammenhänge hält.
Verlassen Sie sich nicht auf Selbstauskünfte. Stark machiavellistische Menschen geben geschickt genau die Antwort, von der sie annehmen, dass sie erwartet wird. Die Einschätzung durch Kolleginnen und Kollegen, in Cèrcols Rahmen die Zeugen-Fremdeinschätzung, lässt sich schwerer manipulieren, weil mehrere unabhängige Personen tatsächliches Verhalten beurteilen. Wie weit sich ein Fragebogen überhaupt austricksen lässt, behandelt kann man einen Persönlichkeitstest fälschen.
Struktureller Schutz zählt mehr als individuelle Widerstandskraft. Klare Rechenschaftsprozesse, nachvollziehbare Entscheidungswege und Beurteilungen aus mehreren Quellen begrenzen den Schaden, den solche Führungskräfte anrichten, ganz gleich ob die Person sich ändert.
Mehr zum Zusammenhang zwischen niedriger Verträglichkeit und diesen Mustern steht in welche Persönlichkeitsmerkmale effektive Führungskräfte wirklich haben. Zu Persönlichkeit und Entscheidungen unter Manipulationsrisiko siehe Persönlichkeit und Entscheidungsfindung: wie die Big Five das Urteil formen.
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Die Forschung zur Dunklen Triade zeigt, warum Persönlichkeitsdaten aus mehreren Quellen wichtig sind: Die Selbstauskunft ist genau dort am unzuverlässigsten, wo verlässliche Daten am meisten zählen. Cèrcols Zeugen-Fremdeinschätzung sammelt strukturierte Einschätzungen mehrerer Kolleginnen und Kollegen, die direkt mit der jeweiligen Person gearbeitet haben, und liefert damit Verhaltensbelege, die sich weit schwerer manipulieren lassen als jeder Fragebogen. Zusammen mit Cèrcols individuellem Big-Five-Test entsteht ein Gesamtbild, das über die Selbstdarstellung hinausreicht.
Das vollständige Persönlichkeitsprofil eines Führungsteams zu kennen, einschließlich der Frage, wo die Bindung (Verträglichkeit) niedrig ausfällt und ob dahinter gesunde Direktheit steckt oder etwas Bedenklicheres, ist der Weg, auf dem sich Organisationen strukturell schützen statt bloß zu reagieren.
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Quellen
- Paulhus, D. L., & Williams, K. M. (2002). The Dark Triad of personality: Narcissism, Machiavellianism, and psychopathy. Journal of Research in Personality, 36(6), 556–563. doi:10.1016/S0092-6566(02)00505-6
- Grijalva, E., et al. (2015). Narcissism and leadership: A meta-analytic review. Personnel Psychology, 68(1), 1–47. doi:10.1111/peps.12072
- Babiak, P., & Hare, R. D. (2006). Snakes in Suits: When Psychopaths Go to Work. HarperCollins.
- Dark triad bei Wikipedia
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